Gedanken
zum unternehmerischen Mittelstand


 

Frauen als Nachfolgerinnen in Familienunternehmen

Derzeit gibt es zu wenige Nachfolger für Familienunternehmen.

Inhaltsüberblick
1 - Familienunternehmen: Unternehmensführung und Besitz des Unternehmens in einer Hand
2 - Zu wenige Nachfolger für derzeit 620.000 übergabereife Familienunternehmen
3 - Chancen für Frauen, die Führung übergabereifer Familienunternehmen zu übernehmen
4 - Ungleiche Motive: Töchter als Nachfolgerinnen, Ehefrauen als Übernehmerinnen, Frauen als Gründerinnen
5 - Vertrauen in die Fähigkeiten und die Kompetenz der Töchter als künftige Familienunternehmerinnen
6 -  Mediation zur Lösung der Rivalitäten und Generationenkonflikte in Familienunternehmen
7-  Fragen, die sich Töchter stellen sollten, bevor sie die Führung der Familienunternehmen übernehmen


1 - Familienunternehmen: Unternehmensführung und Besitz des Unternehmens in einer Hand.

Unternehmerfamilien müssen rechtzeitig unter ihren Nachkommen einen geeigneten Nachfolger oder eine kompetente Nachfolgerin finden und diese auf das Unternehmersein vorbereiten, damit die Firma in der Familie weitergegeben werden kann. Das Unternehmen ist das Vermögen der Familie, auch wenn vielleicht der Gründer oder dessen Nachkomme handelsrechtlich der alleinige Eigentümer ist. Diese Aufgabe, die rechtzeitige Regelung der Nachfolge am Ende der eigenen unternehmerischen Tätigkeit, ist vergleichbar mit der von  Fürsten und Königen, die einst den Erhalt ihres Reiches für den Familienstamm durch die rechtzeitige Übergabe der Regierungsgeschäfte an einen Nachkommen sicherten – anstatt bis zu ihrem Ableben zu warten.

Die Führung von Familienunternehmen ist noch immer männlich dominiert. Das könnte sich jedoch beim nächsten Generationswechsel ändern. Zunehmend übernehmen auch Ehefrauen und erwachsene Töchter die Führung der Familienbetriebe. Nicht nur deshalb, weil sich immer mehr gut ausgebildete und ihrer Fähigkeiten bewusste junge Frauen die Selbständigkeit als Unternehmerin zutrauen, sondern auch deshalb, weil es zu wenige männliche Nachkommen gibt, die unternehmerisch engagiert, zur Unternehmensführung geeignet und auch willig sind, diese zu übernehmen. Oder anders ausgedrückt: Die kompetent genug sind, so dass deren Vorgänger loslassen und ihnen die erfolgreiche Weiterführung ihres Unternehmens anvertrauen können. Haben Unternehmerfamilien jedoch keine Nachkommen oder keine zur Unternehmensführung geeigneten bzw. willigen, müssen sie versuchen, ihren Betrieb zu verkaufen. Falls sie Käufer finden, die ihn übernehmen wollen und den Kauf auch finanzieren können. Wenn jedoch weder Nachkommen noch Käufer an einem Unternehmen wirtschaftlich interessiert sind, muss es leider aufgegeben werden. Die Zahl der aus Mangel an Nachfolger aufgegebenen Betriebe nimmt stetig zu. Ein herber Verlust für die Unternehmerfamilien, deren Mitarbeiter und die Volkswirtschaft.


2 - Zu wenige Nachfolger für derzeit 620.000 übergabereife Familienunternehmen

In der Bundesrepublik Deutschland sind mehr als 3.660.000 Unternehmen registriert. Nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn[1] gelten 95,3% von diesen als Familienunternehmen. Etwa 3.250.000 (88,8%) sind jedoch Kleinstunternehmen, die zusammen nur 3.950.000 Angestellte beschäftigen. Offensichtlich haben viele der Kleinstunternehmer keine, nur einen oder wenige angestellte Mitarbeiter. Viele der demnächst übergabereifen Unternehmen gehören zu den Kleinstunternehmen.

Schwieriger ist die Suche nach Nachfolgern für mittelständischen Familienunternehmen, also jene mehr als 297.000 kleinen Unternehmen mit zusammen rund 3.600.000 Angestellten und die mehr als 96.000 Unternehmen mittlerer Größe mit zusammen mehr als 12 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Denn da geht es nicht nur um die Erhaltung des im Verlauf der Jahrzehnte gewachsenen Familienvermögens, sondern auch um die Sicherung der vielen Millionen Arbeitsplätze. Nach aktuellen Forschungsergebnissen der KfW-Bankengruppe, die für die Bundesrepublik Deutschland Fördermittel für die Gründung, Erhaltung und Nachfolge der Unternehmen bereitstellt, müssten in der Zeit bis 2018 rund 620.000[2] Familienunternehmen rechtzeitig ihre Nachfolge regeln. Doch das wird für viele dieser Unternehmerfamilien nicht möglich sein. Warum?

Die Erfahrung zeigt, dass es gewöhnlich zwischen drei und fünf Jahre dauert, die Nachfolge ordentlich zu regeln. Nach Studien des KfW Research hatten jedoch bis 2015 etwa 83% der 620.000 Unternehmer, deren Nachfolge bis 2018 geregelt sein müsste, entweder dieses noch gar nicht geplant oder die Planung auf später verschoben. Nach einer neueren Studie läuft nun in 41% der Unternehmen der Übergabeprozess, weitere 22% der alternden Familienunternehmer haben diesen bisher nur geplant, aber 25% haben sich bis jetzt nur informiert und 11% haben sich mit dem Nachfolgeproblem noch gar nicht beschäftigt. Die Fortführung vieler dieser Familienbetriebe wird vermutliche scheitern, nicht nur wegen fehlendem Wissen und mangelnder Erfahrung, denn die meisten Familienunternehmer müssen am Ende ihrer unternehmerischen Tätigkeit ihre Nachfolge zum ersten Mal regeln. Auch nicht nur wegen einer zu späten, deshalb oft überstürzten, meistens nur an steuerlichen Fragen orientierten Nachfolge. Auch nicht nur, weil die in vielen Unternehmerfamilien schwelenden Konflikte und Rivalitäten in der Phase des bevorstehenden Generationswechsels zu offenem Streit ausbrechen. Sondern weil sie keine geeigneten Nachkommen haben, die fähig und bereit sind, das Unternehmen zu übernehmen.


3 - Chancen für Frauen, die Führung übergabereifer Familienunternehmen zu übernehmen

Die meisten alternden Familienunternehmer haben noch immer – überlieferten Traditionen folgend – die Vorstellung, ein männlicher Nachfolger sollte das Unternehmen weiterführen. Manchen ist nicht bewusst, dass auch ihre Töchter die Unternehmensführung übernehmen könnten – oder, wenn sie selbst alters-, krankheits-, unfallbedingt oder durch vorzeitigen Tod ausfallen, dass ihre Ehefrauen spontan und unvorbereitet die Leitung des Unternehmen übernehmen müssen, mindestens so lange, bis Nachkommen ihre Ausbildung oder ihr Studium abgeschlossen haben, um es weiterzuführen. Wenn nicht, dann müssen diese Unternehmen verkauft oder aufgegeben werden. Der offensichtliche Mangel an geeigneten und zugleich übernahmewilligen männlichen Nachkommen ist eine große Chance für Frauen, die Führung der Familienunternehmen zu übernehmen, selbst dann, wenn sie sich nicht von langer Hand darauf vorbereiten, sich nicht dafür ausbilden konnten, aber überwiegend schon längere Zeit im Unternehmen mitgearbeitet haben. Die wachsende Zahl der übergabereifen Familienunternehmen bei gleichzeitig sinkender Anzahl übernahmebereiter männlicher Nachkommen, eröffnen nun Chancen für Frauen und Töchter, in die Übernahme der Unternehmensführung hineinzuwachsen.


4 - Ungleiche Motive:
Töchter als Nachfolgerinnen, Ehefrauen als Übernehmerinnen, Frauen als Gründerinnen

Wissenschaftlich[3] ist nachgewiesen, dass wir in unserer Kultur unsere Persönlichkeit maßgeblich über das Geschlecht definieren. Es hat immer noch weitreichende Konsequenzen, ob in einer Unternehmerfamilie ein Sohn oder eine Tochter geboren wird. Der sogenannte „kleine Unterschied“ macht Menschen zu Mann oder Frau. Natürlich spielen dafür biologische Faktoren eine Rolle: Frauen können Kinder gebären, Männer nicht. Frauen fühlen ihre Kinder in sich wachsen, sich bewegen. Männer nicht. Mütter fühlen sich oft für ihre heranwachsenden Kinder stärker verantwortlich als deren Väter. Mehr Mütter als Väter übernehmen die Fürsorge für ihre Kinder. Viele Mütter haben zumindest in den ersten Lebensjahren eine engere Beziehung zu ihren Kindern, sind diesen näher, prägen deren Erziehung. Viele Männer nicht.

Abhängig vom Bewusstsein dieses biologischen Faktors werden Söhne und Töchter in unterschiedlichen Rollen erzogen. So entwickeln sie rollenabhängig andere Persönlichkeiten, andere Interessen, andere soziale Intelligenz, ein anderes Verantwortungsgefühl gegenüber den ihnen Anvertrauten. Das prägt unvermeidlich auch ihre andere Art der Unternehmensführung.. Viele Frauen sind im Unternehmen kooperationsbereiter, neigen eher dazu, Mitarbeiter zu integrieren, sind (rollenkonform) oft weniger aggressiv, weniger machtbewusst, neigen weniger dazu als Männer, anderen gegenüber ihre Führungsrolle zu betonen. Und sind dadurch oft erfolgreicher.

Darin liegt heutzutage eine große Chance für von Frauen geführte Familienunternehmen.

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Wirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Familienunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Was sind mittelständische Unternehmen?
Was sind mittelständische Familienunternehmen?
Wie groß ist die wirtschaftliche Bedeutung mittelständischer Familienunternehmen?

Mittelständische Unternehmen sind nach Definition der Europäischen Kommission nur die kleinen und mittelgroßen Betriebe, also weder Kleinstbetriebe noch große Unternehmen.

Kleinstbetriebe sind die mit weniger als zwei, oft mit weniger als einer Mio. Euro Jahresumsatz sowie mit weniger als zehn angestellten Beschäftigten, manchmal sogar ohne solche, stattdessen eher mitarbeitende Angehörige beschäftigend wie beispielsweise von Selbständigen der beratenden Berufe, Kioskinhabern, kleinen Händlern und Handwerkern sowie in Landwirtschaftsbetrieben. In ihrer Anzahl sind sie jedoch viel häufiger als die mittelständischen Unternehmen. 2012 waren in Deutschland 88,8% aller Unternehmen Kleinstbetriebe, in Österreich und der Schweiz jeweils 87,1%.

Mittelständische Unternehmen, also kleine und mittlere Unternehmen waren 2012 in Deutschland zusammen nur 10,7%, in Österreich 12,6% sowie 2010 in der Schweiz 12,5% aller Unternehmen. Von den mittelständischen Unternehmen hatten die kleinen mehr als zwei, aber weniger als 50 Mio., und die mittelgroßen mehr als 50, aber weniger als 250 Mio. Euro Jahresumsatz. Alle mit mehr als 250 Mio. Euro Jahresumsatz gelten als große Unternehmen.

Familienunternehmen sind solche, bei denen die Unternehmensführung und das Eigentum am Unternehmen entweder vollständig oder zumindest mehrheitlich in der Hand einer oder mehreren Unternehmerfamilien liegen. Die Einheit von Unternehmensführung und Unternehmensbesitz ist also das Kennzeichen der Familienunternehmen.

Mittelständische Familienunternehmer mit kleinen Betrieben führen diese als Eigentümer meistens noch selbst, die mit mittelgroßen Betrieben häufig mit Unterstützung durch Mitgesellschafter oder angestellte Geschäftsführer. Wenn familienfremde Geschäftsführer die größeren Familienunternehmen führen, behalten die Unternehmerfamilien als Eigentümer immer noch die Kontrolle in ihrer Hand. Mittelständische Familienunternehmer, insbesondere die Gründer neigen mehrheitlich dazu, ihre Unternehmen selbst zu führen. Die enge Bindung an ihr Unternehmen, das Bewusstsein, dass es Teil ihres Vermögens ist, die häufig unternehmerisch engagierte und visionäre Persönlichkeit erklären das hohe Verantwortungsgefühl der Familienunternehmer für die Erhaltung und Entwicklung ihrer Betriebe und für das Wohl ihrer Mitarbeiter. Besitz und Persönlichkeit sind der Hintergrund ihrer vielfach entschlosseneren Bereitschaft zu schnelleren Entscheidungen als die der angestellten Geschäftsführer mittelständischer oder der Vorstände börsennotierter Unternehmen, deren Eigentümer die Unternehmerfamilien oder anonyme Aktionäre sind.

Der Anteil der mittelständischen Familienunternehmen wurde zuletzt 2006 vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) mit 95,3% aller Unternehmen geschätzt. Doch der Anteil von 95,3% Familienunternehmen ist ein Durchschnitt über alle Unternehmensgrößen. Es ist anzunehmen, dass der Anteil der mittelständischen Familienunternehmen von diesem Durchschnitt nach Oben oder Unten erheblich abweicht.

Die wirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Familienunternehmen erklärt sich einerseits aus dem unternehmerischen Engagement, den Visionen und der Persönlichkeit vieler Familienunternehmer, die sich für ihr eigenes Unternehmen, also für Ihr Vermögen einsetzen, andererseits aus dem hohen Anteil der von ihnen angestellten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und der Höhe der mit diesen Mitarbeitern erwirtschafteten Jahresumsätze. Für Deutschland und Österreich lässt sich die Zahl der Beschäftigten aus der Lohnsteuerstatistik, die Höhe der Jahresumsätze aus der Umsatzsteuerstatistik errechnen. Jedoch, die Statistik der Schweizerischen Eidgenossenschaft veröffentlicht leider keine nach Unternehmensgrößen unterscheidbaren Daten zur Höhe der Jahresumsätze der schweizerischen mittelständischen Unternehmen.

In Deutschland und Österreich tragen die Jahresumsätze der mittelständischen Familienunternehmen überproportional zur Wirtschaftsleistung der beiden Länder bei. Das und die Persönlichkeit und Entscheidungsbereitschaft vieler mittelständischer Familienunternehmer, die sich besonders in den vergangenen Krisenjahren erwiesen haben, zeigen, dass sie wirklich so etwas wie das Rückgrat der Wirtschaft dieser Länder sind. Nur von der Eidgenössischen Statistik gibt es leider keine nach Unternehmensgrößen differenzierte Statistik der Jahresumsätze des unternehmerischen Mittelstands.

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Die mittelständischen Familienunternehmen und deren wirtschaftliche Bedeutung für die Beschäftigten in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Familienunternehmer führen und kontrollieren meistens ihr Unternehmen selbst und sind zugleich deren Eigentümer. Diese Einheit von Unternehmensführung und Unternehmensbesitz in einer Hand wird deutlich in ihrer unternehmerisch engagierten Persönlichkeit, in ihrer engen Bindung an ihr Unternehmen, in ihrem hohen Verantwortungsgefühl für dessen Existenz und Entwicklung, in ihrer Sorge um ihr Vermögen. Kriterien, die zwangsläufig andere, oft auch schnellere Entscheidungen ermöglichen als die angestellter Unternehmer wie Geschäftsführer mittelständischer oder Vorstände börsennotierter Unternehmen, deren Eigentümer Unternehmerfamilien oder anonyme Aktionäre sind.

Als Mittelstand gelten die kleinen und mittelgroßen Unternehmen, jedoch nicht die vielen kleinsten, die auch zu den KMU gehören, und nicht die großen, von denen mache in ihren Branchen Weltmarktführer sind. Die wirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Familienunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz lässt sich zumindest an fünf Kriterien ermessen:

  • an der Anzahl der Unternehmen, insbesondere der Familienunternehmen in diesen Ländern,
  • an der Anzahl der von diesen beschäftigten sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter/innen,
  • an der Höhe der Jahresumsätze der kleinen und mittelgroßen Familienunternehmen,
  • an deren wirtschaftlich steigender, stagnierender oder sinkender Entwicklung,
  • an der steigenden, stagnierenden oder schrumpfenden Marktentwicklung deren Branchen,
    oft bedingt durch die Entstehung neuer, innovativer Märkte aufgrund des digitalen Wandels.

Diese Kriterien werden von den Statistischen Ämtern in Deutschland, Österreich und in der Schweiz konkret erfasst. Die Quellen dieser Daten sind:

  • das Unternehmensregister[1] für die Anzahl der aller Unternehmen,
  • die Lohnsteuerstatistik[2] für die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten,
  • die Umsatzsteuerstatistik[3] für die Höhe der Jahresumsätze,
  • die Entwicklung der Unternehmen
    durch Vergleich dieser Daten über mindestens drei, besser fünf oder mehr Jahre,
  • die Entwicklung der Branchen
    durch Vergleich der kumulierten Branchenumsätze über eine Reihe von Jahren.

Die Beobachtung der Branchenentwicklung ist wichtig, denn bei allem unternehmerischen Engagement sowie zielorientiertem und wirtschaftlichem Handeln der mittelständischen Familienunternehmer ist es für deren Zukunft sehr entscheidend, ob ihr Markt wächst, stagniert oder schrumpft; ob Produkte und Dienstleistung die Bedürfnisse der Anwender, Verwender oder Verbraucher befriedigen oder ob deren Bedürfnisse bereits weitgehend gesättigt sind oder durch fehlende Innovationen unbefriedigt bleiben, so dass die Zielgruppen sich enttäuscht abwenden, um in anderen Marktsegmenten ihre Bedürfnisse zu befriedigen – und bei Zufriedenheit weiter dort kaufen.

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Ist der unternehmerische Mittelstand wirklich weitgehend identisch mit den KMU?

Dieser Beitrag soll helfen, die aufgrund falscher Informationen kursierenden Vorstellungen über die zahlenmäßige Größe des deutschen unternehmerischen Mittelstands richtig zu stellen und Vergleiche zu ziehen zwischen dem Mittelstand in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Es ist schon merkwürdig, dass in den letzten Jahren maßgebliche Institutionen der Politik und der Wirtschaft, die zweifellos als glaubwürdige Autoritäten angesehen werden können, behaupten, dass der unternehmerische Mittelstand in Deutschland weitgehend identisch sei mit den KMU und dass er mehr als 99% aller Unternehmen in Deutschland umfasse.

So wird zum Beispiel in Webseiten des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi), der Handelskammer Hamburg (IHK) und des Verbands der Deutschen Industrie (VDI) die Größe des Mittelstands mit den KMU verglichen und der Hinweis gegeben, dass mehr als 99% aller Unternehmen in Deutschland dem Mittelstand angehören. Aus Sicht mancher Experten gilt das offenbar bis heute als richtig. Kürzlich hat ein Mitarbeiter einer Industrie- und Handelskammer, auf diese Beschreibung des unternehmerischen Mittelstands angesprochen, diese mit den Worten gerechtfertigt: „…wie KMU. Das ist doch einfach und eingängig“. Auch die Geschäftsführerin eines Bankenverbands – auf den Vergleich mit den KMU angesprochen – hat ihn als richtig angesehen.

Frage: Ist der Mittelstand in Deutschland wirklich weitgehend identisch mit den KMU?
NEIN.

Das ist falsch. Der unternehmerische Mittelstand ist nicht identisch mit den KMU, denn zu diesen gehören nicht nur die kleinen und mittleren, sondern auch kleinste Unternehmen wie Selbständig der freien Berufe, Landwirte, kleine Handels- und Handwerksbetriebe. Diese Kleinstunternehmen sind jedoch nicht mittelständisch, sondern kleiner. Entsprechend bilden auch nicht mehr als 99% aller Unternehmen in Deutschland den Mittelstand, sondern viel weniger. Trotzdem wird diese Fehlinformation von namhaften Institutionen verbreitet, wie nachfolgende Beispiele zeigen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft[1] (BMWi), damals noch Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, erklärte 2015 im Internet seine Politik für den Mittelstand unter Bezug auf die KMU so:

„Mittelständische Unternehmen sind der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft. Sie sind unverzichtbar für Wachstum, Beschäftigung und Innovation in Deutschland. (…) Mittelständler denken nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen. (…) Über 99 Prozent unserer Unternehmen zählen zum Mittelstand. (…) Um aber Bedingungen für Fördermöglichkeiten festzulegen, gibt es eine formale Definition für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland. (…) Nach der KMU-Definition der Europäischen Union gehören alle Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro (…) zum Mittelstand.“

Die Handelskammer Hamburg[2] (IHK) definiert 2015 für ihre Mitglieder den Mittelstand so:

„Da kaum ein Schlagwort in der Wirtschaftspolitik so häufig verwendet wird (Red.: wie der Mittelstand), ist es besonders wichtig, nach der jeweils zugrundeliegenden Abgrenzung zu fragen. Im Folgenden finden Sie gängige Definitionen, die quantitative Merkmale zur Abgrenzung enthalten. (…) Die in Deutschland gängige Abgrenzung, beispielsweise des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, ist die Mittelstandsdefinition des Instituts für Mittelstandforschung Bonn (…) Zum Mittelstand gehören alle Selbständigen in den freien Berufen[3], Handwerksbetriebe und alle gewerblichen Betriebe, die folgende Kriterien erfüllen: Weniger als 500 Beschäftigte, Jahresumsatz unter 50 Millionen EUR. (…) Davon unterschieden werden noch die kleinen Unternehmen, die weniger als 10 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von unter 1 Mio. EUR aufweisen.“

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)[4] berichtet 2015 anhand eines Faktenchecks und unter Bezug auf das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn:

„Rund 3,7 Millionen Unternehmen gehören laut Institut für Mittelstandsforschung in Bonn zum deutschen Mittelstand. Das sind 99,6% Prozent aller Unternehmen der Privatwirtschaft in Deutschland. (…) Viele mittelständische Unternehmen sind gleichzeitig Familienunternehmen: Rund 95% aller Unternehmen in Deutschland sind in Familienhand. Ihre besondere Art zu wirtschaften – langfristig, stabil und unabhängig – lässt sich mit einer quantitativen Definition nicht erfassen. Gesellschafterbindung und Kapitalbindung kennzeichnen diese Unternehmen. (…)“

Es stellen sich mehrere Fragen:

Was ist die Ursache für die vermutete Identität von Mittelstand und KMU?
Was beinhaltet der Begriff KMU nach Definition der Europäischen Union wirklich?
Wie groß ist der Mittelstand in Deutschland wirklich?
Wie groß ist der Mittelstand vergleichsweise in Deutschland, Österreich und in der Schweiz?

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, klicken Sie bitte nachstehend auf „Weiterlesen“:

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