Wirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Familienunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Was sind mittelständische Unternehmen?
Was sind mittelständische Familienunternehmen?
Wie groß ist die wirtschaftliche Bedeutung mittelständischer Familienunternehmen?

Mittelständische Unternehmen sind nach Definition der Europäischen Kommission nur die kleinen und mittelgroßen Firmen, also weder Kleinstbetriebe noch große Unternehmen.

Kleinstbetriebe sind die mit weniger als zwei, oft mit weniger als einer Mio. Euro Jahresumsatz sowie mit weniger als zehn angestellten Beschäftigten, manchmal sogar ohne solche, stattdessen eher mitarbeitende Angehörige beschäftigend wie beispielsweise von Selbständigen der beratenden Berufe, Kioskinhabern, kleinen Händlern und Handwerkern sowie in Landwirtschaftsbetrieben. In ihrer Anzahl sind Kleinstbetriebe jedoch viel häufiger als die mittelständischen Unternehmen, 2012 in Deutschland 88,8% aller Unternehmen, in Österreich und der Schweiz jeweils 87,1%.

Mittelständische Unternehmen, also kleine und mittlere Unternehmen hatten 2012 in Deutschland zusammen nur einen Anteil 10,7%, in Österreich 12,6% sowie 2010[1] in der Schweiz 12,5% aller Unternehmen. Von den mittelständischen Unternehmen hatten die kleinen mehr als zwei, aber weniger als 50 Mio. und die mittelgroßen mehr als 50 Mio., aber weniger als 250 Mio. Euro Jahresumsatz. Alle mit mehr als 250 Mio. Euro Jahresumsatz gelten als große Unternehmen.

Familienunternehmen sind solche, bei denen die Unternehmensführung und das Eigentum am Unternehmen entweder vollständig oder zumindest mehrheitlich in der Hand einer oder mehreren Unternehmerfamilien liegen. Die Einheit von Unternehmensführung und Unternehmensbesitz ist also das Kennzeichen der Familienunternehmen.

Mittelständische Familienunternehmer mit kleinen Betrieben, insbesondere wenn es noch die Gründer sind, führen diese als Eigentümer meistens selbst, die mit mittelgroßen Betrieben häufig mit Unterstützung durch Mitgesellschafter oder angestellte Geschäftsführer. Wenn familienfremde Geschäftsführer die größeren Familienunternehmen führen, bleibt die Kontrolle der Geschäftsführung doch bei den Eigentümern, bei den Unternehmerfamilien. Die enge Bindung mittelständischer Familienunternehmer an ihr Unternehmen, das ihrem Leben über Jahrzehnte Struktur und Sinn gibt,, das Bewusstsein, dass es ihr eigenes Vermögens ist, ihre überwiegend engagierte und visionäre unternehmerische Persönlichkeit erklären ihr hohes Verantwortungsgefühl für die Erhaltung und Entwicklung ihrer Betriebe und für das Wohl ihrer Mitarbeiter. Besitz und Persönlichkeit sind der Hintergrund ihrer vielfach entschlosseneren Bereitschaft zu schnellen Entscheidungen als die von angestellten Geschäftsführern mittelständischer oder die der Vorstände börsennotierter Unternehmen, deren Eigentümer Unternehmerfamilien oder anonyme Aktionäre sind, aber nicht sie selbst.

Der Anteil der mittelständischen Familienunternehmen wurde zuletzt 2006 vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) mit 95,3% aller Unternehmen geschätzt. Doch der Anteil von 95,3% Familienunternehmen ist ein über alle Unternehmen gerechneter Durchschnitt. Abhängig von den Unternehmensgrößen wird der Anteil der von Unternehmerfamilien geführten sehr unterschiedlich sein bzw. nach Oben und Unten deutlich abweichen. In Kleinstunternehmen werden es fast immer die Familienunternehmer selbst sein, von deren Leben und Tätigkeit die Existenz ihrer Firma abhängt. Auch von den kleinen mittelständischen Unternehmen werden vermutlich fast 80% Familienunternehmen sein, wenn auch manche Konzerne Tochterunternehmen in dieser Größe haben. Ab mittlerer Größe der Unternehmen wird der Anteil der Familienunternehmen deutlich sinken. Unter den großen Unternehmen wird der Anteil der zumindest mehrheitlich von Unternehmerfamilien geführten Firmen sehr gering sein, auch wenn es Beispiele für sehr große gibt wie die Volkwagen AG der Familien Porsche und Piëch oder die 1891 gegründete Dr. August Oetker KG.

Grundlage der weiteren Betrachtung sind mehr als 3.663.000 im Jahr 2012 im deutschen Unternehmensregister erfasste Unternehmen aller Größen sowie fast 315.000 in Österreich und fast 313.000 in der Schweiz.

Die wirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Familienunternehmen erklärt sich einerseits aus dem unternehmerischen Engagement, den Visionen und der Persönlichkeit vieler Familienunternehmer, die sich für ihr Unternehmen, also für Ihr eigenes Vermögen einsetzen, andererseits aus dem hohen Anteil ihrer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und der Höhe der mit diesen Mitarbeitern erwirtschafteten Jahresumsätze.. Für Deutschland und Österreich lässt sich die Zahl der Beschäftigten aus der Lohnsteuerstatistik, die Höhe der Jahresumsätze aus der Umsatzsteuerstatistik errechnen (vgl. Tabellen am Ende dieses Artikels). Die Statistik des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung veröffentlicht leider keine nach Unternehmensgrößen unterscheidbaren Daten zur Höhe der schweizerischen Jahresumsätze[2].

In Deutschland und Österreich tragen die Jahresumsätze der mittelständischen Familienunternehmen überproportional zur Wirtschaftsleistung der beiden Länder bei. Das und die Persönlichkeit und Entscheidungsbereitschaft vieler mittelständischer Familienunternehmer, die sich besonders in den vergangenen Krisenjahren erwiesen haben, zeigen, dass sie wirklich so etwas wie das Rückgrat der Wirtschaft dieser Länder sind.

In Deutschland hat 2012 der Anteil von nur 10,7% mittelständischen der rund 3.663.400 registrierten Unternehmen 35,2% der Leistung aller Unternehmen erwirtschaftet. Die 237.600 kleinen und 67.200 mittelgroßen, zusammen fast 305.000 mittelständischen Familienunternehmen, nur 8,7% aller Unternehmen in Deutschland, haben dagegen im Jahr kurz nach der Weltwirtschaftskrise[3] rund 1.942,8 Mrd. € Jahresumsatz erwirtschaftet und damit 55,4% zum deutschen Jahresumsatz beigetragen (vgl. Tabelle 1 am Ende dieses Beitrags).

In Österreich haben im gleichen Jahr – bezogen auf die insgesamt rund 315.000 registrierten Unternehmen – 12,6%, mittelständische Unternehmen, davon 27.350 kleine und 3.730 mittelgroße, zusammen etwa 31.080 Mittelständler rund 47,2% zum Jahresumsatz beigetragen. Die 10,4% österreichischen mittelständischen Familienunternehmen haben allein 303.3 Mrd. € erwirtschaftet. Auch wenn man berücksichtigt, dass Landfläche und Bevölkerungszahl dieses Alpenlandes weniger als 1/10 der deutschen entsprechen, sowie entgegen dem Augenschein, dass es in Österreich proportional zur Bevölkerung mehr kleine und mittelgroße Unternehmen gäbe als in Deutschland, ist  der Umsatzbeitrag der deutschen mittelständischen Familienunternehmen mit 55,4% noch größer als der in Österreich mit 47,2% (vgl. Tabellen 1 und 2 am Ende dieses Beitrags).

Diese Ergebnisse zeigen, dass die mittelständischen Familienunternehmen in Deutschland ebenso wie in Österreich überragend zur Umsatzleistung der beiden Länder beigetragen haben. Sie sind offensichtlich umsatzstärker als viele andere Unternehmen Das und die Persönlichkeit und Entscheidungsbereitschaft vieler mittelständischer Familienunternehmer, die sich besonders in den Jahren der Banken- und Weltwirtschaftskrise erwiesen hat, haben wohl berechtigt zu der Vorstellung beigetragen, dass der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft ist.

Für die Schweiz, ebenfalls ein Alpenland mit etwa gleich großer Bevölkerung und Anzahl der Unternehmen wie Österreich, jedoch einer kleineren Landfläche, etwa halb so groß wie die Österreichs, können keine Angaben gemacht werden, weil – wie schon erwähnt – die schweizerische Statistik die Jahresumsätze nicht nach Unternehmensgrößen differenziert veröffentlicht, also Jahresumsätze der schweizerischen mittelständischen Unternehmen nicht abgegrenzt werden können.

Anzahl und Jahresumsätze aller Familienunternehmen Deutschland und Österreich

 


Über den Autor

drwettigblogbild100Dr. Herbert Wettig
Nachfolgeberater für Familienunternehmen,
Wirtschaftspsychologe und Wirtschaftsmediator für Gesellschafter- und Familienkonflikte
Webseite: www.unternehmensnachfolge-in-familienunternehmen.de


 

[1] In der Schweiz wurden die Unternehmen zuletzt 2010 statistisch erfasst

[2] Anfragen im Departement WBF des Statistischen Bundesamts der Schweizer Eidgenossenschaft wurden nicht beantwortet

[3] Mittelständischen Familienunternehmen haben im Gegensatz zu vielen börsennotierten Unternehmen auch in der Krise von Entlassungen ihrer Mitarbeite abgesehen und konnten deshalb nach Ende der Krise sofort wieder volle Leistung erreichen

 

 

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