Generationswechsel. Mediation zur Lösung von Gesellschafter- und Familienkonflikten in Familienunternehmen

Gesellschafter- und Familienkonflikte und daraus entstehende Streitereien können das Image und manchmal sogar die Existenz eines Familienunternehmens ruinieren. Besser ist es, dem vorzubeugen durch Erarbeitung einer für alle Gesellschafter und alle Familienmitglieder der Unternehmerfamilien gültigen Familiencharta bzw. Unternehmensverfassung, die auch für kommende Generationen noch gilt. Wenn der Streit jedoch schon da ist, lautstark oder stumm gestritten wird, verlangt das nach einer schnellen Lösung des Konflikts.

Eine der erfolgreichsten Methoden zur Streitschlichtung ist die Konfliktmediation zwischen den Betroffenen. Sie ist jedenfalls schneller, meistens erfolgreicher und vor allem billiger als ein gerichtlicher Vergleich, bei dem ein Richter bestimmt und die Betroffenen sich als Gewinner oder Verlierer wiederfinden statt selbst zur Lösung beitragen zu können.

Möchten Sie gern wissen, was eine Streitschlichtung durch Mediation ist, wie eine solche Mediation üblicherweise verläuft, welches Wissen und welche Erfahrung ein Mediator haben sollte? Was der Vorteil der Konfliktmediation gegenüber gerichtlichen Auseinandersetzungen ist?

Was ist eine Streitschlichtung durch Mediation?

Mediation ist ein Verfahren zur einvernehmlichen Streitschlichtung. Sie wird am besten durch einen psychologisch geschulten, in dieser Form der Schlichtung erfahrenen und unbedingt neutralen Mediator geleitet. Mediation ist besonders gut geeignet, in Familienunternehmen unbemerkt von der Öffentlichkeit schwelende Konflikte zwischen streitenden Gesellschaftern, zwischen sich zankenden Angehörigem der Unternehmerfamilie, in späteren Generationen zwischen den am Unternehmen beteiligten Familienstämmen zu beenden, wenn Missgunst, Neid, Geldgier oder unberechtigte Machtansprüche drohen, das Unternehmen zu ruinieren. Allerdings müssen alle Betroffenen damit einverstanden sein, ihren Konflikt in dieser Form zu lösen.

Wie verläuft üblicherweise eine Streitschlichtung durch Mediation?

Es ist lehrbuchgerecht, zwei oder mehrere der Betroffenen miteinander zu konfrontieren, um nach den Regeln des neutralen Mediators einander zu sagen, worüber sie sich ärgern, was sie ungerecht finden, wodurch sie sich übervorteilt fühlen, was sie gekränkt oder ihre Gefühle verletzt hat – jedoch nach den Regeln der Mediation.

Der Mediator entscheidet, wer beginnen darf, dem oder den Kontrahenten - von den anderen ungestört - zu sagen, was er oder sie zur Aufklärung der Konfliktursachen sagen möchte. Ungestört, weil es zu den Regeln der Mediation gehört, dass der oder die Angesprochenen nicht unterbrechen, nicht dazwischen reden dürfen, sondern sich gedanklich oder schriftlich Notizen machen sollen, um sich im Anschluss zunächst zu den gehörten Vorwürfen zu äußern und danach vorzubringen, was sie selbst zu den Konfliktursachen zu sagen haben.

Die gleichzeitige Anwesenheit aller Betroffenen soll gewährleisten, dass sich keiner ausgeklammert fühlen kann, dass alle die Vorwürfe oder Rechtfertigungen, die Anschuldigungen oder Verteidigungen der Anderen hören und ihrerseits ungestört dazu Stellung nehmen können. Einzelgespräche in Abwesenheit der anderen Betroffenen sind nur erlaubt, wenn alle Beteiligten dem vorher zustimmen und hinterher über den Inhalt und das Ergebnis des Einzelgesprächs informiert werden, damit keiner sich hintergangen fühlen kann.

Das Ziel ist, dass alle Betroffenen dazu beitragen, eine Lösung des Konflikts zu finden, sich übereinstimmend Regeln geben für den künftigen Umgang miteinander und mit dem Problem. Am Ende verfasst der Mediator ein Protokoll über die vereinbarten Maßnahmen zur Vermeidung künftiger Konflikte, das ggfs. im Beisein aller von einem Notar bestätigt wird. Die notarielle Bestätigung der in der Mediation getroffenen Vereinbarungen hat das Ziel, dass sich alle rechtsverbindlich verpflichtet fühlen, die vereinbarten Maßnahmen auch einzuhalten. Studien des National Conflict Resolution Center in San Diego, USA, eine Institution mit bis zu 300 meistens freiberuflichen Mediatoren, haben erwiesen, dass in der Mediation gemeinsam vereinbarte Abmachungen im Durchschnitt von rund 86% der Betroffenen auch längerfristig eingehalten werden im Vergleich mit etwa 60% Einhaltung der im gerichtlichen Schlichtungsverfahren vom Richter getroffenen Regelung.

In der Praxis hat sich jedoch auch von Vorteil erwiesen, wenn mit Zustimmung aller Betroffenen der Mediator mit jedem von ihnen zunächst Einzelgespräche führt, um den Beteiligten ihre subjektiv vermuteten Ursachen des Konflikts wieder bewusst zu machen, ihnen gewissermaßen die Gelegenheit zu geben, ihre Argumentation einzuüben – und als Mediator selbst einen Überblick über die erwartungsgemäß unterschiedlichen Perspektiven zu bekommen in Vorbereitung auf das gemeinsame Mediationsgespräch aller in gemeinsamer Auseinandersetzung über den Streit, jedoch nach den Regeln der Mediation. Das Risiko dieser Vorgehensweise ist, dass der Mediator, beeindruckt von den gehörten Argumenten, seine neutrale Unabhängigkeit verlieren kann.

Welches Wissen und welche Erfahrung sollte ein Mediator haben?

Viele Menschen scheuen davor zurück, zwischen möglicherweise aggressiven Streitenden zu schlichten, aus Angst, selbst zum Opfer der Streitenden zu werden. Diese Befürchtungen sind durchaus berechtigt. Immer wieder wird in den Medien berichtet, dass an sich unbeteiligte Menschen, die versuchten zwischen Streitenden zu schlichten oder anderen zu helfen, die von Angreifern aggressiv bedroht wurden, – selbst zum Opfer des oder der Angreifer wurden.   Das zeigt, dass Beteiligte von aggressivem Streit ohne erfolgreiche Streitschlichtung schnell zu Opfern werden können, dass jedoch eine Streitschlichtung ohne die von allen akzeptierten Regeln der Mediation auch für den Schlichter zu einer Gefahr werden kann. Mediation setzt also Wissen des Mediators über die Regeln der Streitschlichtung voraus sowie eine starke Persönlichkeit, Durchsetzungsfähigkeit und genügend Erfahrung, damit die Streitenden trotz ihres Zorns, ihres Bedürfnisses, ihre subjektiven Vorstellungen durchzusetzen bzw. recht zu behalten, die gesetzten Regeln einhalten.

In Deutschland gibt es inzwischen eine Anzahl von Institutionen, die Mediatoren ausbilden. Oft fehlt es den Ausgebildeten aber an ausreichend vielen Anlässen, das Gelernte anzuwenden, einzuüben und Erfahrungen zu sammeln.

Die meisten Mediatoren sind Juristen, die ihre Mandanten und deren Gegner bewegen wollen, beispielsweise in einem Scheidungsverfahren, in einem Streit um das Versorgungrecht für die gemeinsamen Kinder, in einem Erbschafts- oder Nachbarschaftsstreit sich vor dem drohenden Gerichtsverfahren in einem Mediationsverfahren gütlich zu einigen. Die in einer Mediation gemeinsam gefunden Regelungen des Konflikts erweisen sich meistens als gerechter und deshalb als leichter zu akzeptieren und eher als dauerhaft einzuhalten als der im gerichtlichen Schlichtungsverfahren vom Richter vorgeschlagene, von den Betroffenen mehr oder weniger bereitwillig akzeptierte Vergleich.

Vorteile der Streitschlichtung durch Mediation gegenüber gerichtlichem Vergleich?

Im Gegensatz zum gerichtlichen Vergleich wirken die Betroffenen im Mediationsprozess selbst mit. Sie dürfen der gegnerischen Partei ihre Sicht des umstrittenen Problems sagen, ohne unterbrochen zu werden, dürfen auf Vorwürfe des Gegners mit Bedacht reagieren, ohne dass der Streit eskaliert. Im Gegenteil: Oft stellt sich in einem von einem neutralen Mediator geführten Schlichtungsverfahren heraus, dass der Anlass zum Streit weniger in sachlichen Gegebenheiten als in verletzten Gefühlen seinen Ursprung hatte, dass Missverständnisse, falsche Erwartungen, Vermutungen über die Absichten der Anderen der Auslöser waren, über die der Streit zunehmend eskalieren kann, je länger der Anlass nicht aufgeklärt, der Konflikt nicht im gegenseitigen Einvernehmen gelöst wurde.

Der Zeitvorteil ist: Ein Mediationsverfahren muss nicht warten bis das angerufene Gericht einen Termin für ein ziviles Schlichtungsverfahren festgesetzt, der Richter alle Fakten festgestellt und von unbewiesenen Vermutungen sowie unberechtigten Vorwürfen getrennt und auf der Basis der oft von Rechtsanwälten vertretenen Argumente der Verfahrensgegner einen Vorschlag gemacht hat, dem die Betroffenen zustimmen können, auch wenn ihnen das Unbehagen bleibt, sich nicht gerecht behandelt zu fühlen.

Der Glaubwürdigkeitsvorteil ist: Wenn sie selbst sich mit dem oder den Kontrahenten auseinandersetzen dürfen, ihre Argumente vorbringen, gegen die vom Gegner gemachten Einwendungen abwägen, diese akzeptieren oder verwerfen können, gemeinsam mit dem ursprünglichen Widersacher nach einer von beiden akzeptierten Lösung suchen können, ist diese für sie leichter als verbindlich zu akzeptieren als ein gerichtlicher Vergleich.

Der Kostenvorteil ist: Das Honorar für den Mediator, dass noch dazu von allen betroffenen Seiten zu gleichen Anteilen getragen wird, ist weitaus geringer als die für ein Gerichtsverfahren bis zu einem Vergleich aufzubringenden Gerichtskosten, die sich am Streitwert orientieren, vor allem aber geringer als die vorher kaum einzuschätzenden Kosten für die Rechtsvertreter auf beiden Seiten.

Kurz gesagt: Ein Mediationsverfahren ist schneller, dessen Ergebnis ist leichter zu akzeptieren und die Kosten sind wesentlich geringer als ein gerichtlicher Vergleich – aber es setzt die Bereitschaft aller Beteiligten voraus, lieber am Zustandekommen einer allseits akzeptierten Lösung des Konflikts mitzuarbeiten, als zu versuchen, sein eingebildetes oder tatsächliches Recht in einem Gerichtsverfahren feststellen zu lassen und sich mit dem Gegner gerichtlich zu vergleichen.

 

Über den Autor

drwettigblogbild100Dr. Herbert Wettig
Nachfolgeberater für Familienunternehmen,
Wirtschaftspsychologe und Wirtschaftsmediator für Gesellschafter- und Familienkonflikte
Webseite: www.unternehmensnachfolge-in-familienunternehmen.de

 

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